1) Allgemein

Rund um das Schwarzhorn bei Schwäbisch-Gmünd liegen die Gemeinden, aus denen die Teilnehmer der Schwarzhornzeltlager kommen. Entstanden sind sie 1969 aus den Ministranten der Kirchengemeinde Böbingen und aus der Schönstatt-Jugendarbeit der Region. Die Erfahrung von sage und schreibe 90 Zeltlagern liegt der heutigen Konzeption zugrunde. Jahr für Jahr bereiten rund 80 Jugendliche und junge Erwachsene diese beiden 12-tägigen Zeltlager vor, an denen jeweils bis zu je 100 Jungen von 10 bis 15 Jahren teilnehmen können. Drei Schwerpunkte haben diese Lager: „Natur – Gemeinschaft – Glaube“. Eine Charakteristik der Lager ist auch der Lagerpatron oder die Lagerthematik. Im Jahr 2015 wird das der heilige Franz von Assisi sein, der die Spielideen, kreative Aktivitäten, den Lageraufbau, die Gottesdienste, Gebete und Lieder prägen wird. Die Zeltlager 2015 finden vom 30. Juli bis 10. August auf dem Unteraichhof und vom 10. bis 21. August auf dem Kasperleshof bei Oberndorf am Neckar statt. Von Wald umgeben, bieten beide Plätze den notwendigen Raum für das „Paralleluniversum Zeltlager“. Sie werden von ca. 30 Betreuern gestaltet, darunter auch die Lagerleitung, eine pädagogische Fachkraft verschiedene Beauftragte für Technik, Thematik und Versorgung, sowie als Lagerpfarrer Dekan Dr. Pius Angstenberger und Pfr. Bernhard Weiß.

2) Ein Blick in das Lager

Wer die Wiese betritt, die sich in einem Tag zum Lagerplatz verwandelt hat, erkennt das Zeltlagerbanner und ein großes Kreuz auf dem Lagerplatz, sie bilden die Mitte für die vielen Mannschaftszelte, für das große Gemeinschaftszelt, das auch bei Regen keine Langeweile aufkommen lässt. Das sogenannte Heiligtum – ein Ort der Stille - und der Glockenturm wurden auch schon am ersten Tag aufgestellt. Die Glocke warnt in der Nacht vor Überfällern, sie weckt am Morgen zum Frühsport, sie lädt zum Gebet, zum Essen, zum Spielen, sie bringt immer wieder die große Gemeinschaft zusammen und wenigstens etwas Ordnung in das Gewusel, das sonst auf dem Lagerplatz herrscht. 9.00 Uhr - 13.00 Uhr – 18.30 Uhr das sind die Essenszeiten, um die herum sich das Programm und die Freizeiten im Lager gruppieren. Die Küchenzelte, das Technikzelt, sowie Dusche und Waschbecken ergänzen die Anlage. Die Toiletten befinden sich im Schatten am Waldrand und werden wie das sonstige Abwasser über die öffentliche Kläranlage entsorgt. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass die Lager wirkliche „Mitmachangebote“ sind. Die Zeltgruppen mit vier bis sechs Mitgliedern übernehmen mit ihrem jeweiligen Betreuer auch Dienste, so dass kein Junge aus dem Lager heimkommt, ohne nicht mindestens einmal das Küchenfeuer geschürt, am Lagerfeuer mitgebaut, den Salat geschnitten oder ein Theaterstück mitgestaltet zu haben. Organisierte und freie Spiele, der Hajk mit einer Übernachtung außerhalb, aber auch ein rhythmisierter Tagesablauf, der auch immer wieder Momente der Stille und großer Gemeinschaft hat und an dessen Ende ein Lagerfeuer steht, lassen die zwölf Tage wie im Flug vergehen. Kein Wunder, dass bei so viel Aktivität das Handy oder der MP3-Player bald in Vergessenheit gerät. Und wenn dann so gegen 11.00 Uhr die Teilnehmer im Schlafsack sind, mit Ausnahme der Zeltgruppe, die erste der drei Nachtwachen hat, dann sind die Betreuer dran, ein gemeinsames Gebet im Heiligtum, die Runde um das Lagerfeuer zum Austausch über den vergangenen Tag und zum Blick auf den kommenden und natürlich noch eine gemütliche Unterhaltung sorgen dafür, dass hier Freundschaft entsteht und gepflegt wird, die ein ganzes Leben lang nicht vergeht.

3) Geschichte

Begonnen hat die Tradition der Schwarzhornzeltlager Pfr. Georg Kolb (1933 – 1998), der 1968 nach als Gemeindepfarrer nach Böbingen kam. Er hatte die Schönstattbewegung als eine lebendige geistliche Bewegung mit vielen Gemeinschaften für Menschen allen Alters und der verschiedensten Lebenssituationen kennen gelernt und die Schönstatt-Spiritualität mit in die Gemeinde gebracht. Seine einfache, aber auch energische Art wirkte ansteckend. So entstand neben der Jugendarbeit der Kirchengemeinde Böbingen auch die Schönstatt-Mannesjugend, die in den 70er und 80er Jahren rund um das Schwarzhorn und auch oft im Schwarzhornhaus mit Gruppenstunden und thematischen Wochenenden, mit Ausfahrten und eben auch mit den Zeltlagern aufblühen konnte. Jugendliche aus vielen Gemeinden des Ostalbkreises und des Kreises Göppingen waren so untereinander verbunden. Die veränderte Lebenssituation der Jugendlichen, die starke Zunahme an verschiedenen Freizeitmöglichkeiten und die zurückgehende Anzahl an Jugendlichen bewirkten in den 90er Jahren einen starken Rückgang der in Gruppen organisierten Jugendarbeit, es blieben eher die offenen Angebote bestehen, darunter auch die Schwarzhorn-Zeltlager, die nun als eine überörtliche Organisation in der Kirchengemeinde Böbingen verortet ist.

4) Betreuermannschaft - Pädagogik

Gut gestaltete Zeltlager sorgen selbst für den eigenen Nachwuchs an Betreuern. Die jungen Teilnehmer lernen in zwölf Zeltlagertagen die Betreuer sehr gut kennen und warten oft schon sehnsüchtig auf den Tag, an dem sie selbst sechzehn werden und Betreuer werden können. In der Betreuermannschaft finden sich so eine bunte Mischung an Schülern, Studenten und Auszubildenden aller möglichen Berufe. Sie bringen sich je auf ihre Weise ein und werden Vorbild für die Teilnehmer. Neben dem Wort „Führen“, also dem Vorangehen, Mitmachen und Sich-Einbringen der Betreuer, steht auch das „Befähigen“ auf dem Programm, das Erklären und schließlich das Ausprobieren, das Selber-machen. Die Befähigung der Betreuer geschieht – neben einer oft schon langen Karriere als Teilnehmer – in jährlich zwei Vorbereitungstreffen. An diesen insgesamt drei Tagen wird Pädagogik und Methodik geschult und auf kreative Weise am Lagerprogramm gefeilt. Die erstmaligen Betreuer treffen sich darüber hinaus zum Einführungstag, durch den sie leichter in ihre neue Rolle hineinfinden können. Nähe und Distanz, der Schutz der persönlichen Sphäre der Teilnehmer, rechtliche und pädagogische Grundsätze der Aufsichtsführung sind hier die Themen, aber auch Tipps und Hinweise im Umgang mit Werkzeug und Material. Eigentlich kommen die Schwarzhorn-Zeltlager seit 1969 aus einer Zeit, in der kirchliche Jugendarbeit generell nach Geschlechtern getrennt gemacht wurde. Es hat immer wieder Anfragen gegeben, ob es nicht zeitgemäß wäre, die Zeltlager auch für Mädchen zu öffnen. Aus der Schönstatt-Pädagogik heraus wurde dies immer abgelehnt. Nun hat jedoch die moderne Pädagogik längst festgestellt, dass es für Mädchen wie Jungen gut ist, wenn sie in der Bildung und in der Jugendarbeit eigene Orte für sich haben und nicht dauernd unter der pubertären Spannung stehen. Ein Sich-finden in der Rolle als Mann mit männlichen Vorbildern wie in den Schwarzhorn-Zeltlagern ist etwas sehr Wertvolles für viele Lagerteilnehmer, die sich bisweilen in einem überproportional von Frauen geleisteten Bildungswesen und mit oft abwesenden Vätern zurecht finden müssen.

5) Versorgung und Organisation

„So etwas hätten sie uns im Zeltlager nicht vorgesetzt!“ Diesen Ausspruch musste tatsächlich eine Mutter am Mittagstisch hören. Wahrscheinlich hatte sie nicht schlecht gekocht, aber wenn alles in allem bis zu 130 hungrige Jungs auf einer Wiese im Viereck sitzen, dann kann das nur schwer getoppt werden. In der Tat zaubert das dreiköpfige Küchenteam zusammen mit einer oder zwei Zeltgruppen jeden Tag ein Frühstück, ein dreigängiges Mittagessen und ein Abendessen auf offenem Feuer. Und das Essen ist für nicht wenige Teilnehmer der Grund, warum sie im nächsten Jahr wieder kommen wollen. Auf diese originelle und bodenständige Weise werden auch die übrigen Notwendigkeiten des Lebens bewältigt und mancher lernt auch im Lager, wie ein kleines Handbeil, eines Säge oder ein Hammer zu gebrauchen ist, wie nass das Wasser, wie heiß das Feuer ist und dass der Boden aus Erde und nicht aus Dreck besteht. Fleißige Hände sorgen für die Reparatur der Zelte, für den guten Zustand des Werkzeugs und der sonstigen Ausstattung. Sie füllt jedes Jahr einen Sattelschlepper der Firma Spedition Wiedmann, die das Ganze dann kostenfrei auf den Lagerplatz bringt. Dazu kommen aber auch noch die organisatorischen Dienste und der pädagogische Einsatz, der hinter den Lagern steht. Das alles will koordiniert sein. In jedem Jahr sind die Betreuer im Herbst zur Generalversammlung eingeladen und das neue Jahr startet dann wieder mit der neu besetzten Organisationsstruktur, die aus verschiedenen Teams besteht: Neben der Koordination, Anmeldung und Datenverwaltung gibt es auch ein Technikteam, ein Thematikteam, das Team „Werbung und Öffentlichkeitsarbeit“, ein Team das auch Wochenenden und Freizeitaktionen für die Betreuer das Jahr über anbietet, und vieles andere mehr. Auch hier bietet die Kirchengemeinde Böbingen mit ihrem Pfarramt und den Räumlichkeiten zur Aufbewahrung des Lagerzubehörs dem Zeltlager eine wichtige Grundlage. Und der Einsatz der Betreuer ist vollkommen ehrenamtlich. Letztlich bildet diese Motivation, die darin sichtbar wird, die Grundlage dafür, dass jedes Jahr neue Betreuer motiviert sind, mitzumachen.

6) Christliches Profil

Für die meisten Teilnehmer der Zeltlager ist es mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr, dass am Morgen und am Abend, sowie vor und nach dem Essen ein Gebet steht. Hier jedoch scheint die Umgebung und der Tagesrhythmus eine gute Grundlage für diese Glaubensvollzüge zu sein. Auch die drei Messfeiern zur Einweihung, am Besuchstag und zum Abschluss sind für viele ein Erlebnis. Der Bündnistag, der ein Erbe aus Schönstatt-Zeiten ist und nun als Besinnung auf die persönliche Entscheidung für das Getauftsein einen Tag im Zeltlager besonders prägt, ist für viele Kinder und Jugendliche ein Moment des Fragens und des Gesprächs über das Leben und über Gottes Gegenwart darin. Und wenn dann ein Pfarrer vor Ort ist, der sich auch barfuß auf dieselbe Ebene mit den Jungen stellt, wenn es Jugendliche und junge Erwachsene gibt, die selbst als Glaubende erkennbar sind, und wenn es gut gestimmte Gitarren und eine zeitgemäße Sprache über den Glauben gibt, dann kann das schon prägen und weiter helfen. Selbstverständlich werden Kinder und Jugendliche anderer Weltanschauung mit Offenheit und Sympathie in die Lagergemeinschaft einbezogen. Hier wird also das Zeltlager zu einem Ort, an dem Kirche den Menschen nahe ist.

Ein Tag im Zeltlager

Ein Tag im Zeltlager beginnt mit dem Frühsport, einer kurzen Morgenandacht und dem Frühstück. Die Zeit zwischen Frühstück, Mittagessen, Abendessen und dem allabendlichen Lagerfeuer ist sehr abwechslungsreich gestaltet. So werden diverse Spiele in Zeltgruppen, die Lagerolympiade oder Turnierspiele durchgeführt. Es bleibt jedoch auch immer genügend Zeit für die Teilnehmer, um selbständig Spielen, Lesen oder sich anderweitig beschäftigen zu können.

 

Unterbrochen wird der „Lageralltag“ durch einige Highlights, wie beispielsweise dem Hajk, einer Zweitageswanderung, dem Freibadtag oder auch dem Besuchstag, an dem die Eltern etwas Zeltlagerluft schnuppern können.

Leitbild: „Leben in einer Gemeinschaft – Leben im Einklang mit der Natur – Leben des christlichen Glaubens“


  Eine Maxime der Schwarzhorn-Zeltlager ist das Leben in der Gemeinschaft, welches sich bei uns in besonderem Maße durch die Dienste widerspiegelt. Jede Zeltgruppe hat jeden Tag andere Aufgaben zu erledigen. Diese reichen vom Lagerfeuerbau über die Hilfe in der Küche bis zur Nachtwache und damit der Verteidigung des Lagers gegen nächtliche „Überfäller“. Die Teilnehmer erleben dadurch, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft Aufgaben erfüllen muss, damit ein Leben in der Gemeinschaft möglich ist.

 

Das Leben im Einklang mit der Natur ist ein weiterer Grundpfeiler der Schwarzhorn-Zeltlager. Die Natur erleben die Kinder und Jugendlichen während der Zeit im Zeltlager so intensiv, wie dies im Alltag nicht möglich ist. Die gesamte Zeltlagergemeinschaft befindet sich während der 12 Tage mitten in der Natur und kann einen Tag mit strahlend blauem Himmel genauso genießen, wie den frischen Duft nach einem Sommergewitter. Intensiviert wird dieses Erlebnis durch den Verzicht auf elektronische Geräte, wodurch man dem Alltag noch weiter entrückt.

Auch das Leben des christlichen Glaubens spielt in den Schwarzhorn-Zeltlagern seit jeher eine tragende Rolle.
 

Die Zeltlager beschäftigen sich jedes Jahr mit einer anderen geistlichen Thematik, welche einen christlichen Bezugsrahmen herstellt. Begleitet werden die Zeltlager jedes Jahr von einem Lagergeistlichen. Seit vielen Jahren übernehmen diese Aufgabe Pfarrer Pius Angstenberger und Pfarrer Bernhard Weiß. Die Teilnehmer sollen sich jedoch nicht explizit mit einzelnen Bibelstellen auseinandersetzen, vielmehr ist es unserer Ansicht nach wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen den christlichen Glauben durch Spiele und andere Aktivitäten in der Gemeinschaft und in der Natur erleben sollen.